Es ist soweit. Ich lebe schon viel zu lange vegan. Immer wenn ich besorgte Nichtveganer frage, wie lange man damit wohl leben kann, schwanken die Angaben zwischen einem und 10 Jahren. Ich habe also meine maximale Lebensdauer als Veganerin überschritten. Vermutlich habe ich mal aus Versehen eine Spinne verschluckt, anders kann ich mir das Zusatzjahr nicht erklären. Fakt ist: Es ist vorbei. Ende Gelände, aus die Maus. Mir fallen die Zähne aus (noch nicht, aber das muss jetzt kommen), ich schlafe nicht mehr (deshalb schlafe ich gerade besonders viel und gut, vorsichtshalber) und ja, ich gebe es zu: Ich zittere unkontrolliert, während ich alle 5 Meter zusammenbreche. Ich gleiche einem Zombie und schreie ständig: „Gib mir Fleiiisch!“. Aber ich kann keins essen, denn mein mir selbst auferlegtes Dogma verbietet mir das zu tun, was mir gut tut: Endlich natürlich leben und in Massentierhaltung hochgemästete und kilometerweit durch die Gegend gekarrte Tiere essen.

Aber mal im Ernst: Es hat sich nichts getan. Also echt nix. Ich lebe noch, mal mit einer Erkältung, mal kerngesund, mal gestresst, mal tiefenentspannt. Ich habe auch mal Pickel, bin nicht immun gegen alle Krankheiten der Welt und genausowenig hat mich meine Ernährung schon dahingerafft. Ich habe weder einen ausgeklügelten Ernährungsplan, der mir eine Zufuhr an allen wichtigen Vitaminen garantiert, noch ernähre ich mich ausschließlich von Fast Food. Wie sieht es also aus, wenn man “ den Scheiß“ schon 11 Jahre macht?

  • Ich habe ein neues B12 entdeckt: Vellvie. Das verzichtet auf irgendwelche seltsamen Zusatzstoffe. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich da total vorbildlich bin, aber ich nehme es immer, wenn ich das Schränkchen im Bad aufmache – also alle 2 – 3 Tage. Bisher lebe ich noch.
  • Ich bin gerade vegan-faul. Also mich jucken neue vegane Produkte nicht so arg, ich poste nicht wie blöd und zu Instagram raffe ich mich auch nur auf, weil sonst irgendwer fragt, ob ich tot oder entführt bin. Ich mag keine Kooperationen, weil ich mir da gekauft vorkomme (aber für Miomojo würde ich eine Ausnahme machen, huhuuu!).
  • Ich habe neue Kollegen, weshalb ich wieder öfter gefragt werde, wie ich das so mit dem Vegan mache. Das ist irgendwie ganz nett, weil ich dann mal wieder weiß, was Leute wissen wollen, die mit vegan noch nichts am Hut haben. Da es außer mir noch 0,75 andere Veganer im Kollegium gibt, gibt es meistens bei Geburtstagen und so was Veganes und das finde ich schon echt cool.
  • Bei Geburtstagen etc. ist es mittlerweile bei fast allen angekommen, dass ich vegan lebe (11 Jahre reichen aber noch nicht allen) und deshalb bekomme ich fast immer was zu essen. Bei den wenigen, die mir dann noch immer Käsespätzle anbieten bringe ich einfach selbst was mit.
  • Ein paar neue vegane Produkte gehören zu meinem Standard: der Reibe“käse“ von SimplyV (boah ist der gut!), der Ei-Ersatz von Natura (irgendwie werden Kuchen und Pancakes damit einfach besser) und das Eis von Booja Booja (darf man Eis heiraten?).
  • Ich halte mich von Facebook fern. Ich habe es immer wieder versucht, hatte dort eine Seite usw. Aber Facebook und ich, das geht nicht. Mir sind die Kommentare zu dumm, die Bedienung zu blöd und die Richtlinien zu seltsam. Von den Diskussionen mal ganz zu schweigen – „Waaaaaaaaaas, du kaufst XY????? Das ist doch von Blabla! Ich fahre zwar jede ver… Strecke mit dem Auto, grüße nicht mal meine Kollegen, kaufe jeden Rotz in Plastik, aber DU bist voll die schlechte Veganerin!“. Ne, brauche ich nicht.
  • Wein gibt es bei meinem Biodealer in vegan. Nur so zur Info.

Übrigens, das Bild habe ich auf einem Ausflug aufgenommen. Ich glaube, ich mache den „Scheiß“ noch eine Weile. Der Transporter war nämlich leer und die Tiere nicht mehr so „lebend“.