Mir ist aufgefallen, dass ich nun seit über 7 Jahren vegan lebe (Wahnsinn, ich lebe noch!). Heute habe ich das erste wirklich ausführliche Blutbild (mit Kalzium, B12 usw.) bekommen und so kam es dazu, dass mir die letzten 7 Jahre meiner Ernährung durch den Kopf gegangen sind.

Was hat sich alles geändert?

Ich kann gar nicht genau sagen, wann ich mich entschieden habe, mich vegan zu ernähren. Das muss irgendwann Mitte 2006 gewesen sein. Ich habe nicht von heute auf morgen alle tierischen Lebensmittel aus dem Fenster geworfen. Ich habe einfach nach und nach aufgehört, tierische Produkte zu kaufen. Dadurch bedingt fielen auch immer mehr Fertigprodukte weg, denn die vielen Zusatzstoffe konnte ich nie genau zuordnen.

Das ist wohl einer der wichtigsten Punkte, die sich geändert haben: Ich kaufe so gut wie keine Fertigprodukte mehr. Damit meine ich ganze Fertiggerichte genauso wie Tütensuppen oder Soßen. Ich habe angefangen, viel mehr selbst zu kochen. Auch Sachen, von denen ich früher dachte, sie wären super kompliziert. Mittlerweile finde ich es einfach toll, Sachen selbst zu machen.

In meiner Anfangszeit gab es ein paar vegane Tofuschnitzel im Bioladen und Sojamilch. Die immerhin schon im Supermarkt (danke Alpro). Gerade die Sojamilch aus dem Supermarkt hat es mir deutlich einfacher gemacht, meine Küche umzustellen. Ansonsten brauchte ich keine speziellen Produkte. Tofu mochte ich nicht, Seitan kannte ich nicht und sowas wie veganer Käse war noch in weiter Ferne. Wahnsinn, wie sich das in 7 Jahren geändert hat. Eigentlich ist das keine lange Zeit, aber in veganer Zeitrechnung scheint das ein halbes Jahrhundert zu sein.

Seitdem ist die Palette an veganen Lebensmitteln viel größer geworden. Auch hier hat sich für mich etwas geändert: Anfangs habe ich jedes vegane Produkt sofort ausprobiert und war total begeistert, veganen Aufschnitt oder vegane Hacksteaks zu entdecken. Alles musste probiert werden. Heute freue ich mich auch über neue Produkte, aber ich muss nicht mehr alles probieren. Es ging mir schon sehr oft so, dass ich etwas gekauft habe, weil es das halt gab. Und dann wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. So habe ich mittlerweile endlich einen veganen Streukäse gefunden, den ich mag (Daiya). Das ist auch super, aber ich weiß nicht, was ich damit machen soll. Die letzte Bestellung musste ich einfrieren, damit sie nicht verdirbt. Irgendwie mag ich den Gedanken nicht, mir ein fertig zusammengemischtes Produkt auf meine tolle selbstgemachte Pizza zu tun. Früher wäre mir das egal gewesen. Aber an solchen Sachen merke ich, dass ich gar nicht mehr genau wüsste, wie ich tierische Produkte in mein Essen bekommen sollte. Es ist für mich so normal geworden, vegan zu kochen, dass ich es gar nicht mehr anders kenne.

Ich weiß nicht, ob sich das alles auch so entwickelt hätte, wenn ich nicht angefangen hätte, mich vegan zu ernähren. Für mich war die vegane Ernährung auf jeden Fall der perfekte Anfang.

Und die Nachteile?

Nachteile an der veganen Ernährung gibt es viele – zumindest für Nichtveganer! Denn laut Nichtveganern ist die vegane Ernährung höchst kompliziert, teuer und man entwickelt auf jeden Fall irgendwann einen ganz schlimmen Mangel und muss viele Tabletten schlucken.

Um es kurz zu machen: Meine Ernährung finde ich nicht teuer. Wer das anders sieht, kann hier mal nachlesen: Vegan ist teuer.

Ich finde meine Ernährung auch nicht kompliziert. Wer es gewohnt ist, viele Fertigprodukte zu kaufen, ist natürlich erst einmal überfordert. Ich bin jetzt aber eine Weile dabei und kenne meine Standardprodukte. Im Internet finden sich zig Listen mit veganen Produkten aus dem Supermarkt, auf einigen Produkten ist mittlerweile sogar schon angegeben, ob sie vegan sind oder nicht. Auch das ist viel einfacher geworden im Vergleich zu „damals“. Ich will nicht wissen, wie es für Leute war, die vor 20 Jahren mit der veganen Ernährung angefangen haben…

Und so komme ich zu dem, was mich eigentlich zum Nachdenken gebracht hat:

Mein Blutbild

Ich habe bisher nicht extra auf die Zusammensetzung der Aminosäuren in meinen Lebensmitteln geachtet. Ich habe nicht den Proteingehalt berechnet, Kalziumbrausetabletten in reichlich Wasser aufgelöst oder Lebensmitteltabellen gewälzt. Ich habe einfach frisch gekocht und darauf geachtet, ein bisschen Abwechslung auf den Teller zu bringen. Da einem aber ständig überall ein Mangel angedichtet wird, war ich doch etwas nervös.

Aber um es kurz zu machen: Mein Blutbild ist – bis auf einen üblichen Verdächtigen – bestens 🙂 Der übliche Verdächtige ist dabei Eisen. Bevor nun aber jemand kommt: „Haha, war ja klar, ist halt so bei Veganern!“ – den Mangel habe ich schon seit Kindesalter und damals habe ich mehr als genug tierische Produkte gegessen. Mein Eisenwert ist auch nicht weiter gesunken, er bleibt einfach seit Jahren niedrig. Ich komme damit aber gut zurecht und die mit Eisen zusammenhängenden Werte waren ansonsten sogar überdurchschnittlich gut. Deshalb werde ich erst einmal schauen, ob ich das nicht durch eine bewusstere Ernährung in Bezug auf Eisen etwas ausgleichen kann. Meine Ärztin war jedenfalls sehr zufrieden mit meinem Blutbild und hatte sonst nichts zu bemängeln.

Was ich besonders witzig fand: Mein Cholesterin ist erhöht! Das konnte sich meine Ärztin nur mit einer ungünstigen Veranlagung erklären, denn zu viel Cholesterin nehme ich wohl eher nicht zu mir 😉

B12 war übrigens auch im absolut normalen Bereich. Und das obwohl ich sehr sporadisch B12-Tropfen zu mir nehme. Das werde ich zukünftig trotzdem ändern und regelmäßig dran denken.

Man kann also auf jeden Fall gesund vegan leben. Ich weiß nicht, wie es in 20 Jahren aussehen wird, aber den Zwischenstand nach über 7 Jahren finde ich auf jeden Fall sehr gut. 🙂