Keine Ahnung wieso, aber in letzter Zeit höre und lese ich immer wieder, dass eine vegane Ernährung so wahnsinnig teuer ist. Ich kann das immer gar nicht nachvollziehen. Bei mir sieht es nämlich eher so aus:

Milch

Was den meisten wohl schnell auffällt ist der Preis für pflanzliche Milch. Ganz klar – die ist viel teurer als Kuhmilch. In meinem Fall macht das ungefähr 5 € pro Monat aus. Dafür spare ich an einigen anderen Stellen aber einiges an Geld. Zum Beispiel bei Käse, Wurst oder Fleisch.

Spartipp: Pflanzliche Milch lässt sich ganz einfach selbst machen. Da lohnt es sich, Nüsse, Reis, Soja oder Getreide im Angebot zu kaufen und die verschiedenen Rezepte im Netz zu probieren. So lässt sich eine Menge Geld sparen.

Käse und Co.

Lasagne und Aufläufe überbacke ich mittlerweile mit meiner selbstgemachten Soße. Wenn sie besonders cremig sein soll, verwende ich Hafer Cuisine, ansonsten lässt sie sich aber auch ganz einfach und kostengünstig mit Hafermilch oder Wasser herstellen. Die Cuisine-Variante kommt insgesamt auf ungefähr 3 Euro – damit kann ich 3 Ladungen Lasagne überbacken. Die Wasservariante kommt sogar nur auf 1,50 € – das alles in Bioqualität. Wer die Sachen beim Discounter kauft, kann nochmal sparen. Noch günstiger wird es mit Hefeschmelz.

Aufs Brot gibt es keinen Käse mehr, sondern lieber Aufstriche. Die bekommt man mittlerweile sogar beim Discounter, aber auch die Biovariante ist teilweise schon für 1,50 Euro zu haben. Damit kann man so einige Brote bestreichen (ich würde mal behaupten, bei mir reicht so eine Aufstrich für 10 Brotscheiben).

Pizza kommt bei mir mittlerweile komplett ohne Käse aus. Wenn ich dann doch mal welchen brauche, gibt es Hefeschmelz oder eine eingedickte Variante meiner Soße auf Kartoffelbasis.

(Soja-)Joghurt kaufe ich so gut wie gar nicht mehr. Den gibt es tatsächlich nicht in günstig, aber da verhält es sich bei mir wie bei der Milch. Da ich sowieso kein großer Joghurt-Fan bin, gebe ich hier auch nicht mehr Geld aus. Ansonsten wäre es zwar teuer, aber andere Sachen gleichen das dann wieder aus.

Spartipp: Es lohnt sich, sowas wie Hafermilch oder Hafer Cuisine im Angebot zu kaufen. Noch mehr kann man sparen, wenn man einfach Hafer Cuisine selbst macht und damit die „Käse“soße auf Vorrat kocht und anschließend einfriert. Bei größeren Mengen lohnt sich der Aufwand. Am meisten kann man mit Hefeschmelz sparen. So günstig bekommt man keinen Käse.

Fleisch

Fleisch gibt es bei mir mittlerweile weder in der echten Version, noch als Fakefleisch. Würde ich jedes Schnitzel oder jede Wurst, die ich früher gegessen habe, durch ein veganes Pendant ersetzen, wäre das tatsächlich sehr teuer. Stattdessen gibt es selbstgemachte Bratlinge (da kann man bei einem Bratling teilweise schon von Centbeträgen reden), paniertes Gemüse oder ganz selten mal selbstgemachten Fleischersatz aus Seitan oder Soja. Fakefleisch ist für mich Fast Food. Da habe ich nicht grundsätzlich was dagegen, aber so wird es bei uns eben auch behandelt – als Ausnahme bei Zeitmangel oder nicht vorhandener Motivation zu kochen.

Spartipp: Fakefleisch lässt sich aus Seitan sehr günstig selbst machen. Es erfordert etwas Übung, aber wer nicht darauf verzichten möchte, kann so sehr viel Geld sparen. Ansonsten bieten mittlerweile auch Discounter wie Aldi vegane Ersatzprodukte wie Schnitzel und Co. zu erschwinglichen Preisen an.

„Spezialzeug“

Das, was aber die vegane Küche angeblich so richtig teuer macht, sind die vielen Spezialprodukte: Veganes Nutella, Nussmus, zig verschiedene Öle, Nüsse, Samen, Fertiggerichte usw. Da lässt sich nur sagen: Es kommt einfach darauf an, was man einkauft.

Veganes Nutella gehört für mich z.B. nicht zu den alltäglichen Lebensmitteln, die ich unbedingt im Haus haben muss. Ab und zu habe ich Lust darauf und dann tun mir die 1 – 2 Euro mehr nicht weh.

Nussmus scheint für einige Neuveganer unverzichtbar zu sein. Das wird in Soßen gerührt, zum Überbacken verwendet, auf’s Brot und sicher auch noch für zig andere Sachen. Ganz ehrlich: Mir ist das zu teuer. Nicht Nussmus allgemein, auf’s Brot kann das mal ganz lecker sein. Aber zum Kochen habe ich es noch nie gebraucht. Auch wenn einige vegane Kochbücher den Eindruck erwecken, dass man ohne Nussmus als Veganer am Hungertuch nagen muss.

Spezielle Öle gibt es in unserem Haushalt auch nicht. Das gute alte Rapsöl und ab und an Olivenöl haben mir persönlich schon immer gereicht. Wenn es mal sowas wie Kürniskernöl in unsere Küche schafft, dann einfach nur, weil ich da mal Lust drauf hatte oder gerade Kürbiszeit ist. Um sich gesund vegan zu ernähren, muss man keine speziellen Öle kaufen. Gleiches gilt für Nüsse und Samen.

Für mich gilt: Ich brauche keine teuren Spezialsachen. Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte reichen für mich vollkommen aus, um abwechslungsreich und gesund zu kochen.

Auswärts essen

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber auswärts gebe ich nicht mehr Geld aus als früher. Ich kann weiterhin beim Italiener essen gehen. Dann gibt es eben Pizza ohne Käse (kann sehr lecker sein) oder Penne Arrabiata. In einem speziellen veganen Restaurant war ich bisher 4 Mal und da habe ich auch nicht mehr Geld ausgegeben als in anderen Restaurants. Unterwegs habe ich gut im Blick, bei welchem Bäcker es was Veganes gibt. Aisatische Imbisse haben auch immer was für mich und da sind die Gerichte ohne Fleisch eigentlich immer günstiger als die mit. Geht es doch mal mit Kollegen in ein unbekanntes Restaurant, habe ich nach einer freundlichen Nachfrage immer irgendetwas zu essen bekommen. Meist günstiger als meine Kollegen mit ihren Fleischgerichten.

Obst und Gemüse

Veganer verdrücken vermutlich mehr Obst und Gemüse als Nichtveganer. Damit steigen natürlich die Ausgaben für diese Lebensmittel. Im Vergleich zu Fleisch und Käse ist Obst und Gemüse aber noch recht günstig. Sparen kann man hier vor allem, wenn man auf regionale und saisonale Sachen achtet.

Wir bekommen mittlerweile 1 Mal pro Woche eine Gemüsekiste vom Biohof. Obwohl die Sachen teurer sind als im Laden, sparen wir dadurch Geld. Denn so sind wir gezwungen, unsere Mahlzeiten besser zu planen. Außerdem kann ich auch kleine Mengen bestellen (3 Karotten und 2 Kartoffeln z.B.) und muss nichts wegwerfen. Im Winter gibt es dann halt seltener Tomaten, dafür günstigere saisonale Sachen wie Kohl oder rote Beete. Mit etwas Kreativität bekommt man auch damit leckeres Essen hin. Ganz davon abgesehen, dass regionale Lebensmittel keinen weiten Weg hinter sich haben und viel reifer geerntet werden können.

Hülsenfrüchte

Eine prima Eiweißquelle sind Hülsenfrüchte. Wer hier Geld sparen möchte, kauft sie nicht fix und fertig in der Konserve, sondern als Trockenware. Ich habe mir mittlerweile einen Schnellkochtopf zugelegt. Damit muss ich nicht vorausplanen, wann ich was kochen möchte, sondern kann auch mal spontan Kichererbsen oder Bohnen kochen. Daraus lassen sich auch ganz einfach günstige Bratlinge oder Falafel zubereiten.

Persönliches Fazit

Für mich persönlich ist eine vegane Ernährung alles andere als teuer. Seit der Umstellung mache ich viel mehr selbst, wodurch ich bei diesen Dingen viel Geld spare. Das gebe ich an anderen Stellen nur aus, wenn ich unbedingt will und mir was „Besonderes“ kaufen möchte. Wirklich notwendig ist das aber nicht. Ich brauche weder Spazialmüsli für Veganer, noch Spezial-Fake-Fleisch, noch veganen Sauerrahm. Ich kann trotzdem nicht behaupten, keine Abwechslung auf dem Teller zu haben und auch Freunde und Bekannte kommen immer wieder gerne zum Essen (bisher sind sie zumindest alle wiedergekommen). Ach. und die paar B12-Tabletten, die ich alle paar Monate kaufe, sind für ein paar Euro monatlich zu haben.