Angeblich ist die vegane Ernährung viel teurer als die „normale“. Schaut man auf den Preis von Sojamilch, hält man diese Aussage für bestätigt. Gerade Leute, die sich überlegen, ab und zu mal vegetarisch oder vegan zu essen, kommen oft mit dem Argument: „Aber das ist ja so teuer“.

Wieso die vegane Ernährung so teuer erscheint

Wenn jemand hauptsächlich Fleisch mit Beilagen isst, wird er versuchen, das mit veganen Produkten auch so zu machen. Wobei ich bezweifle, dass ein überzeugter Fleischesser das überhaupt machen will. Auf jeden Fall wird diese Person im Supermarkt natürlich hauptsächlich auf die fertigen Fleischersatzprodukte achten. Und die sind teuer. So ein nachgemachtes Schnitzel oder Hacksteak geht ganz schön ins Geld, wenn man es täglich als Fleischersatz essen will. Wenn also jemand im Supermarkt nur den Preis für diese Produkte sieht, sieht er sich darin bestätigt, dass vegane Produkte teuer sind.

Wenn jemand zwar wenig Fleisch isst, dafür aber hauptsächlich Milchprodukte, wird es ähnlich sein. Veganer Frischkäse und nachgemachter veganer Käse ist teuer. Wer also auf seinen Käse nicht verzichten will, muss tief in die Tasche greifen.

Solche Preise fallen auf, weil die Leute direkt den Unterschied sehen können. Sie vergleichen 400g Fleisch mit der 400g-Packung Sojaschnitzel. Oder 100g Käse mit Soja-Käse. So kann man sich zurücklehnen und sagen, dass es einfach viel zu teuer ist, sich vegan zu ernähren. Oder auch nur vegetarisch. Und da fängt es an, dass man sich etwas mehr mit dem Thema Ernährung beschäftigen müsste. Mal schauen müsste, was der Mensch denn eigentlich so braucht, was so alles an Zusatzstoffen in solchen Fertigprodukten steckt und welche Alternativen es gibt. Man müsste sich Rezepte überlegen, wie man z.B. aus Tofu was Leckeres machen kann (Tofu ist meist viel günstiger als typische Fleischersatzprodukte). Oder wie man seinen Eiweißbedarf auch ohne tierische Produkte deckt. Und man müsste vielleicht auf manche Produkte verzichten, weil sie auf Dauer entweder zu teuer sind oder nicht schmecken. Und das ist viel zu anstrengend.

Übrigens:

Fleisch im Vergleich zu Fleischersatz – Beispielrechnung

Fleisch und Fisch aus dem Supermarkt kommen meist aus Massenproduktionen. Die Tiere werden in kurzer Zeit gemästet, damit man schnell viel Fleisch auf dem Teller hat. Die Qualität spielt dabei oft keine Rolle. Sie haben kaum Platz und werden im Schnellverfahren in riesigen Schlachthäusern getötet und am Fließband zerlegt.

Die „teuren“ Fleischersatzprodukte haben fast immer ein Bio-Siegel (es gibt Ausnahmen, aber die sind dann auch günstiger). Sie stammen oft von kleineren Firmen und können noch nicht so im großen Stil produziert werden wie Fleisch. Oft stammen sämtliche Zutaten aus biologischem Anbau.

Möchte man Ersatzprodukte mit Fleisch vergleichen, muss man schon Bio-Fleisch mit Ersatzprodukten vergleichen. Und dann sieht die Rechnung anders aus. Wenn ich nicht 6 € für ein Kilo Pute bezahle, sondern 18 €, dann ist so ein Tofuschnitzel für z.B. 16 € pro Kilo gar nicht so teuer. Verglichen habe ich hier den aktuellen Durchschnittspreis von Veggie Life (im Supermarkt erhältlich) und dem aktuellen Bio-Putenpreis im nächsten Supermarkt. Wobei man den Fleischpreis eigentlich mit Bio-Tofu vergleichen müsste (1kg für ca. 8 €, es gibt im Supermarkt aber mittlerweile auch wesentlich günstigere Alternativen um die 4,50 €). Und da verliert Fleisch noch deutlicher.

Sojamilch ist so teuer!

Sojamilch ist in der Regel teurer als Kuhmilch. Der günstigste Preis, den ich bisher für 1 l Alpro Sojamilch bezahlte habe, war 1,49 €.  Dafür bekommt man definitiv mehr Kuhmilch. Und auch das Argument mit dem Bio-Siegel zählt hier nicht unbedingt, denn es gibt genug Sojamilch ohne Bio-Siegel. Aber mal ehrlich: Wie viel Liter Milch muss man trinken, dass der Preis so ins Gewicht fällt? Jetzt mal von Menschen abgesehen, bei denen es auf jeden Cent ankommt: Die 1 -2 Euro mehr pro Woche können sich einige sicher leisten.