Halbwegs informierte Menschen wissen, dass für den Sojaanbau große Regenwaldflächen gerodet werden. Diese Menschen wissen auch, dass Veganer keine Milch trinken und dass eine Alternative dafür Sojamilch ist. Ausgehend von dem vielleicht eigenen übermäßigen Verzehr von Milchprodukten wird dann schnell davon ausgegangen, dass Soja Milch ersetzt, Veganer eigentlich ja auch viele Milchprodukte bräuchten und demnach also auch ganz viel Soja zu sich nehmen. Also sind Veganer daran schuld, dass Regenwald abgeholzt wird. Kuhmilch wird als regionales Produkt angesehen. Kuhmilch ist nach dieser Logik also auf jeden Fall besser als Sojamilch. Dafür leiden zwar Tiere, aber wenigstens müssen keine Rohstoffe um die halbe Welt gekarrt werden. Und vor allem wird dafür kein Regenwald gerodet.

Dabei wird gerne mal unter den Tisch gekehrt (oder vielleicht wissen das die Leute auch gar nicht), dass unsere heimischen Milchkühe zum Großteil mit importierten Futtermitteln gefüttert werden. Der Großteil dieser importierten Futtermittel stammt nicht aus dem europäischen Ausland, sondern z.B. aus Brasilien und den USA (70% dieses Sojas ist mittlerweile genmanipuliert). Wer jetzt denkt, das sei mal wieder vegane Propaganda, kann die Stellungnahme des Bundestags dazu lesen.* Das bedeutet, damit eine Kuh in Deutschland Milch gibt, werden 66 % ihres Futters aus dem Ausland importiert. Im Fall von Soja der Großteil aus Brasilien (Stichwort Regenwald).

Der Großteil der weltweiten Sojaproduktion landet übrigens in der Futtermittelindustrie, nicht in Veganern (manche Quellen sprechen von über 90 %).

Dann schauen wir uns im Vergleich dazu mal die Sojaprodukte für Veganer (und alle anderen) an. Ganz klar: Es gibt auch hier Sojaprodukte aus Regenwaldgebieten. Diese sind abzulehnen. In der Regel geben Hersteller an, woher sie ihre Sojabohnen beziehen. Zur Not hilft eine Produktanfrage.

Im Vergleich zu den Futtermitteln für Tiere kann ich bei Sojaprodukten für Menschen aber recht gut auf die Herkunft der Produkte achten. Die Firma Taifun habe ich hier ja schon vorgestellt, ebenso das Hofgut Storzeln. Auch Natumi bezieht seine Rohstoffe überwiegend aus Deutschland, ansonsten aus Europa.

Wer ganz sicher gehen will, verzichtet auf Soja. Auch das ist bei der veganen Ernährung möglich, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird. Pflanzliche Milchalternativen gibt es mittlerweile zur Genüge und vegane Eiweißquellen tun sich so langsam auch immer mehr auf. Auch hier bestimmt die Nachfrage das Angebot, die vegane Lebensmittelindustrie steckt noch in den Kinderschuhen im Vergleich zu tierischen Produkten.

Bei diesem Thema frage ich mich aber immer: Wenden die Leute, die die vegane Ernährung auf Grund der Kilometer von Soja ablehnen, diese Logik auch auf andere Produkte an? Verzichten sie auf Kaffee, Tee, Rohrzucker, Bananen, Reis und viele andere Produkte, die nicht aus Deutschland stammen? Wissen sie z.B. um die Palmölproblematik? Trinken sie Milch nur von Kühen, die zu 100% Futtermittel aus Deutschland erhalten? Essen sie nur Tiere, die zu 100% heimisch ernährt werden?

Vielleicht sollte man obenstehenden Satz ändern: Veganer können durch den Konsum von Sojaprodukten zur Abholzung des Regenwalds beitragen, Omnis tun dies mit großer Sicherheit. Das Totschlagargument Soja wird damit zu einem wichtigen Argument für eine vegane Ernährung und gegen tierische Produkte.

Es passt nicht ganz ins Bild, wenn mir jemand vorwirft, ich würde den Regenwald abholzen und dann zum Angebot der Woche in der Fleischtheke bei Rewe greift und sich noch schnell ein paar Liter Milch und ein paar Eier holt.

 

* Interessante Info aus der Antwort des Bundestags: Mit gut 7 % der deutschen Agrarfläche könnte man den Sojabedarf der deutschen Tierindustrie decken. Da es aber billiger ist, Soja zu importieren, wird das nicht gemacht. Dafür sorgen internationale Handelsabkommen. Wenn man mit gut 7 % schon den Sojabedarf der Tierindustrie decken könnte, würde ein Bruchteil davon reichen, um die Menschen selbst mit Soja zu versorgen.