Wenn es um die vegane Ernährung geht, fordern Fleischesser gerne Studien, die belegen, dass eine vegane Ernährung gesund ist. Meiner Meinung nach geht man damit falsch an die Sache ran. Letztlich sollte man fragen: Gibt es Belege dafür, dass eine vegane Ernährung schädlich ist? Bisher habe ich keine Studie gefunden, die das eindeutig belegt. Es gibt Studien, die in Teilen dafür sprechen, dass eine vegane Ernährung bei bestimmten Aspekten gesünder ist als eine omnivore. Es gibt auch Studien, die sagen, dass man bei einer veganen Ernährung eher einen Mangel an bestimmten Nährstoffen entwickeln kann.

Es gibt aber auch einige vegan lebende Menschen, denen Studien wichtig sind und die sich gerne damit beschäftigen. So können vielleicht letzte Unsicherheiten beseitigt werden. Ich habe deshalb mal ein paar Studien zum Thema vegan zusammengesucht und angegeben, woher sie stammen. Dabei habe ich darauf geachtet, möglichst „unverfälschte“ Quellen zu finden. Es ist kaum möglich, an Originalstudien zu kommen. Ergebnisse aus Studien werden meist in wissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht.

Ich habe bewusst auf einschlägige Vegan-Quellen verzichtet (Ausnahme: Der Vebu stellt einige Studien zur Verfügung, deren Quelle man aber nachvollziehen kann). Ich bin mit folgenden Fragen an die Internetrecherche rangegangen:

Gibt es Belege dafür, dass eine vegane / omnivore Ernährung zu gesundheitlichen Schäden führt?
Gibt es Belege dafür, dass eine vegane / omnivoreErnährung nicht zu gesundheitlichen Schäden führt?Gibt es Belege dafür, dass Veganer / Omnivore besser oder schlechter mit bestimmten Nährstoffen versorgt sind und diese Versorgung gesundheitliche Folgen hat?

Ich bin keine Ärztin, ich kenne nicht alle Quellen der Welt und ich behaupte nicht, dass ich mit dieser Zusammenstellung die endgültige Antwort auf sämtliche Fragen zum Thema veganer Ernährung geben kann. Ich kann nur sagen, wofür ich Belege gefunden habe und wofür nicht.

Studien oder Artikel zum Thema

Vegane Ernährung allgemein – Positionspapier ADA

Positionspapier der Amerikanischen Gesellschaft der Ernährungswissenschaftler (ADA) zur veganen / vegetarischen Ernährung: Position of the American Dietetic Association
Die ADA ist keine vegane Organisation, das Dokument wird lediglich vom Vebu zur Verfügung gestellt. Auszug aus Wikipedia: „Die ADA hat fast 67.000 Mitglieder, davon ungefähr 75 % registrierte Diätassistenten/Diaetologen/Ernährungsberater, 4 % registrierte „diätetisch-technische“ Assistenten (dietary technicians) für Diätetik und Ernährungsberatung. Der übrige Anteil von Mitgliedern beinhaltet Forscher, Pädagogen, Studenten, Berater und Gastronomiemanager. […] Es ist die Position der American Dietetic Association, dass „gut geplante“ vegetarische und vegane Ernährung für jede Lebensphase geeignet sei.

Die deutsche Version findet ihr hier: Deutsche Übersetzung ADA Positionspapier

Deutsche Vegan-Studie

Ebenfalls vom Vebu zur Verfügung gestellt findet ihr hier (Hinweis: Der Link ist nicht mehr verfügbar, ich suche noch nach einem Alternativlink) eine Zusammenfassung der deutschen Vegan-Studie von Prof. Leitzmann und Prof. Hahn. Kurzzusammenfassung: 50% der Veganer hatten einen B12-Mangel (es wird leider nicht angegeben, wie der Prozentsatz bei omnivor lebenden Menschen aussieht), 40% der jungen Frauen einen Eisenmangel. Bei älteren Frauen und Männern war der Eisenmangel kaum bis gar nicht höher als beim Rest der Bevölkerung. Als gesundheitliche Vorteile gegenüber dem Rest der Bevölkerung wurde ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen genannt. Beta-Carotin, Vitamin E und C werden in großer Menge zugeführt und sollen freie Radikale „unschädlich machen“, was zu einem erhöhten Schutz vor Alterungsprozessen und Tumorentstehung führen soll.

B12-Studie bei nicht veganer Ernährung

Da die Vegan-Studie angibt, dass ca. 50% der Veganer einen B12-Mangel hatten, sollte man sich anschauen, wie man bei „normaler Kost“ mit B12 versorgt ist. Nur so kann man vergleichen, ob das Risiko bei veganer Ernährung erhöht ist.

Leider konnte ich bisher nicht eine Studie finden, die sich mit der B12-Versorgung bei normaler Ernährung beschäftigt. Sämtliche Angaben, die ich im Netz gefunden habe, haben keine Quellenangabe. Deshalb sind die Zahlen evtl. nicht repräsentativ. Bisher habe ich nur die Info gefunden, dass ca. 40% der omnivor lebenden Menschen einen B12-Mangel haben. Also gerade mal 10% weniger als bei Veganern. Zurückzuführen ist ein B12-Mangel wohl am ehesten auf Magen-Darm-Erkrankungen, wodurch B12 nicht richtig aufgenommen werden kann.

Eine interessante Info-Seite dazu findet ihr hier.

Grundsätzlich findet man zahlreiche vegane Seiten, die sich mit dem Thema B12 bei veganer Ernährung beschäftigen. Daraus kann man entweder schließen, dass Veganer häufiger einen B12-Mangel haben oder dass er bei omnivor lebenden Menschen seltener entdeckt wird.

Studie zum Thema Osteoporose

Eine Studie des National Institutes of Health der Universität von Kalifornien findet ihr in diesem Artikel aus dem American Journal of Clinical Nutrition 73. Der Artikel ist auf Englisch, aber zusammenfassend wird gesagt, dass „Frauen, die das meiste Eiweiß aus tierischen Nahrungsmitteln aufnahmen, eine 3-fach höhere Knochenschwundrate und eine 3,7-fach höhere Hüftfrakturrate aufwiesen als Frauen, die das meiste Eiweiß aus pflanzlichen Quellen bezogen.“. Zu einem ähnlichen Ergebnis in Bezug auf Osteoporose kommt auch die Nurses Health Study der Universität Harvard. Leider habe ich die Originalquelle dazu bisher nicht finden können.

Eine Studie mit Frauen aus Vietnam findet ihr hier (wieder auf Englisch). Zwar wurde in dieser Studie festgestellt, dass Veganer schlechter mit Vitamin D versorgt sind, sie aber dadurch keine Nachteile in Bezug auf die Knochenmasse haben. Es wurde festgestellt, dass eine erhöhte Aufnahme von tierischem Protein einen negativen Einfluss auf die Knochenmasse hat.

Ich schließe nicht aus, dass es auch positive gesundheitliche Aspekte bei Milch gibt. Allerdings habe ich bisher nicht eine Studie gefunden, die belegt, dass Milch gesund ist.

Zusammenfassend kann ich nach einigen Internetrecherchen zu bestimmten Aussagen nur folgendes sagen:

„Veganer haben einen Mangel“

B12: Studien weisen daraufhin, dass das stimmt. Gleichzeitig wird aber auch gesagt, dass eine Supplementierung von B12 als Ersatz für tierisches B12 geeignet ist. Es gibt keine Angaben, dass eine Supplementierung von B12 schädlich ist.

Vitamin D: Veganer sind laut Studien tendenziell schlechter mit Vitamin D versorgt. Ich habe keine Belege gefunden, dass Veganer dadurch gesundheitliche Schwierigkeiten haben.

Eisen: Junge vegan lebende Frauen scheinen schlechter mit Eisen versorgt zu werden. Hier sollte man sich regelmäßig durchchecken lassen und gegebenenfalls supplementieren oder seinen Ernährungsplan dementsprechend gestalten (das gilt nicht nur für Veganer).

Was Beta-Carotin, Vitamin E und C angeht, scheinen Veganer besser versorgt zu sein als Omnivore.

„Eine vegane Ernährung ist ungesund“

Ich habe keine Studie gefunden, die besagt, dass eine omnivore Ernährung automatisch gesünder oder ungesünder ist als eine vegane.

Ich habe keine Studie gefunden, dass eine vegane Ernährung automatisch gesünder oder ungesünder ist als eine omnivore.

Fazit

Die Tatsache, dass ich keine Belege für bestimmte Aussagen gefunden habe, bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht stimmen. Wenn aber ein omnivor lebender Mensch behauptet, die vegane Ernährung sei ungesund, wüsste ich gerne, auf welche Quelle er sich dabei bezieht. Fleischesser scheinen allein auf Grund der Tatsache, dass Veganer bei bestimmten Nährstoffen einen Mangel haben können (ihn aber nicht automatisch haben), zu dem Schluss zu kommen, eine vegane Ernährung sei grundsätzlich ungesund. Ich konnte – trotz langer Recherchen – keinen Beweis für diese Aussage finden.