Eigentlich beschäftige ich mich nicht mehr groß mit der Frage, welche Vitamine, Mineralien oder sonstwas mir fehlen könnten, weil ich mich vegan ernähre. Ich habe mich zu Beginn meiner veganen Ernährung Tage und Wochen damit beschäftigt, welche Nährstoffe der Mensch so jeden Tag braucht, in welchen Lebensmitteln was enthalten ist, was sich gegenseitig hemmt, was sich begünstigt usw. Ich bin fast verrückt geworden bei den vielen verschiedenen Aussagen, die man zum Thema Ernährung so findet. Die einen empfehlen eine bestimmte Tageszufuhr, die nächsten zweifeln diesen Wert an. Letztlich bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich mit einer abwechslungsreichen Ernährung ohne tierische Produkte im Großen und Ganzen gesund sein kann (B12 ist wieder ein anderes Thema).Denn: Was wirklich gesund ist, weiß bis heute niemand so genau.

Ich spreche jetzt nicht von der Frage, ob man sich täglich 10 Liter Cola reinschütten soll. Sondern vielmehr von solchen Dingen: Wieviel Calcium brauche ich wirklich? Welcher Nährstoff hemmt einen anderen, welcher begünstigt einen anderen? Ist der empfohlene Tagesbedarf eines bestimmten Nährstoffs wirklich richtig? Wonach richtet sich dieser Wert? Wieso verändert sich so eine Empfehlung regelmäßig? Wieso sind diese Empfehlungen in verschiedenen Ländern unterschiedlich? Wieso steht auf manchen Seiten, dass Veganer einen Calciummangel haben, auf einer anderen, dass tierisches Protein die Aufnahme von Calcium hemmt und somit Veganer doch keinen Mangel haben? Wieviel Sonne brauche ich, um ausreichend Vitamin D zu bilden? Wieso nimmt der Körper Mineralien aus Mineralwasser angeblich so gut wie gar nicht auf? Wieso wird Patienten mit Osteoporose dann trotzdem calciumreiches Mineralwasser empfohlen? Wieso hat der Opa von XY sein Leben lang fettig und „ungesund“ gegessen, geraucht und getrunken und ist trotzdem mit 98 beim Joggen von einem Auto überfahren worden?

Ich denke, eine ganz einfache Antwort auf all diese Fragen ist folgende: Weil wir noch längst nicht alles über Ernährung wissen. Wir haben Anhaltspunkte. Aber unser Wissen über Ernährung ist nicht starr und festgeschrieben.

Wieso sollte ich mich also verrückt machen? Wenn sich nicht einmal die Wissenschaftler einig sind, was eine gesunde Ernährung ist, wieso versuche ich es dann herauszufinden?

Für mich gibt es deshalb ein paar ganz einfache Grundsätze beim Essen:

Ich esse, was mir schmeckt.

Ich esse Lebensmittel, die ohne Zutatenliste auskommen.

Haben meine Lebensmittel eine Zutatenliste, will ich sie verstehen können.

Ich esse möglichst saisonal und regional.

Und am wichtigsten: Ich esse, was mir Spaß macht.

Das heißt jetzt nicht, dass man niemandem mehr glauben soll und es völlig egal ist, was man isst. Man sollte sich schon immer mal wieder auf dem Laufenden halten und grundsätzlich einen Überblick behalten, wie das eigene Essen so zusammengesetzt ist. Aber ich denke, gesunder Menschenverstand bringt mir mehr als tagelanges Nährstoffrechnen.

 

Vielleicht finde ich irgendwann heraus, dass ich zu locker an die Sache herangegangen bin. Aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass halbwegs durchdachtes, abwechslungsreiches, saisonales, oft regionales, selbstgekochtes Essen ohne tierische Produkte und ohne ständiges Hirnzerbrechen über die perfekte Tageszufuhr an Nährstoffen so viel ungesünder sein kann als das, was sich andere so täglich auf den Teller schaufeln.